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Brief von Rolf Rätzer, Präsident WIC Anhalt e.V.
an André Bücker, Generalintendant des Anhaltischen Theaters
Sehr geehrter Herr Bücker,
im Wirtschafts- und Industrieclub Anhalt e. V. sind strukturbestimmende Unternehmen unserer Region zusammengeschlossen. Wir gehen üblicherweise sehr rational mit den Potenzialen und mit dem Erreichten um. Umso erfreuter und emotional angesprochen waren wir, als wir in den deutschen Medien den Artikel unter der Überschrift
"Dessau hat das beste Theater"
wahrgenommen haben. Sofort hat uns Emotion und Begeisterung gepackt. Das Anhaltische Theater Dessau liegt in der Gunst der Theaterkritiker weit vorn. Diese Nachricht hat der Deutsche Bühnenverein Köln herausgegeben. Dazu gratulieren wir Ihnen und Ihrem Ensemble auf das Herzlichste. Das Anhaltische Theater Dessau ist für unser unternehmerisches Wirken und den Fortbestand in der Zukunft von essentieller Bedeutung. Das gilt für die Unternehmer und Ihre Belegschaften gleichermaßen. In seiner Zukunftskonferenz hat die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland die Standortfaktoren in vier Segmente geteilt. Neben traditionellen und harten Faktoren werden weiche und neue Faktoren ausgewiesen. Mit Ihrem Theater belegen Sie in den weichen, und noch viel wichtiger in den neuen, Faktoren eine wichtige Position. Sie sind ein wichtiger Faktor in Bezug auf das Freizeitangebot und prägen das Image unserer Stadt weit über die Grenzen hinaus. Nur so ist es zu erklären, dass uns befreundete Unternehmer aus dem Bundesgebiet ihre Betroffenheit aus der publizierten Existenzbedrohung übermitteln.
Noch wichtiger ist Ihre Dominanz in den .neuen" Standortfaktoren. Sie stehen für Offenheit, Toleranz, Kreativität, Vielfalt, Internationalität und Urbanität. Gäbe es ein funktionierendes Cluster der Kultur, wären Sie ein Botschafter par excellenze für unsere Stadt und unser Land.
Ihnen, sehr geehrter Herr Bücker, ist mit Ihren Sparten und Ensembles eine Metamorphose besonderer Art gelungen. Sie haben nach dem bereits hervorragenden Wirken vor Ihrer Zeit dort angeknüpft und das Theater auf hohem Niveau fortgeführt und mit neuen Impulsen ausgestattet. Diese sind es, die weit über die Grenzen unserer Stadt ausstrahlen und bundesweit Anerkennung für Ihr Wirken eingebracht haben. In der Ausdruckssprache entdecken wir in den Augen Ihrer Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker durchaus rot gefärbte Tränen der Betroffenheit und doch auch diese Kraft und Ausstrahlung zur Verzauberung des Publikums mit der verbundenen Hingabe zur Interpretation der Werke, verbunden mit dem Optimismus, mit uns gemeinsam in eine gedeihliche Zukunft zu gehen.
Wir haben, obwohl wir damit sehr gut umzugehen wissen, in der bundesdeutschen Landkarte der Zeitschrift "Die Zeit" Dessau unter der Überschrift "Die sieben Todsünden" nicht vorgefunden. Das ist ein anderer Beweis dafür, dass Sie in der Heimatstadt von Kurt Weill, der zu diesem Thema komponiert hat, nicht vermerkt sind.
Sie und das Anhaltische Theater werden in dem Leitbild unserer Stadt auf dem Weg in eine zukunftsorientierte Entwicklung eine herausgehobene Rolle spielen. Davon sind wir fest überzeugt. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die großen Multiplikatoren und imagebildenden Partner in unserer Stadt im Leitbild genannt und gefördert werden. Es mag viele Namen für unsere Stadt geben. Die Unternehmer des industriellen Sektors wissen sehr wohl um Ihre Bedeutung für die Strahlkraft unseres Theaters in das gesamte Bundesgebiet hinein. Nicht nur künftige Investoren benötigen diese wichtigen Standortfaktoren, sondern auch und gerade all jene, die bereits den unternehmerischen Besatz unserer Stadt realisieren. Wir sind mit großem Respekt und mit vollem Enthusiasmus an Ihrer Seite. Bitte geben Sie dies auch an die Ensembles aller Sparten Ihres Hauses weiter.
Was uns als Unternehmer und Unternehmen besonders freut, ist, dass Sie durch Ihre Arbeit und die daraus resultierende Bedeutung für unser Land und durch den Zuspruch der Theaterbesucher gut 50 % Ihres Budgets einwerben. Damit bewirbt das Theater einen so bedeutenden Mittelzufluss, der nicht von unserer Stadt selbst geleistet werden muss. Im Umkehrschluss kann man sagen, dass die Stadt jeden Euro, den sie für das Anhaltische Theater einsetzt, durch externe Mittel verdoppelt. Das ist eindeutig ein Erfolgsmodell.
Wie sehr wir mit Ihnen und Ihren Ensembles mitempfinden, wird auch durch einen Vers unseres Clubmitgliedes zur Wagner-Oper Lohengrin deutlich, den wir Ihnen gerne beifügen. Gleichzeitig freuen wir uns, in Kürze bei einer Orchesterprobe in Ihrem Haus zu sein.
Nehmen Sie heute unsere Glückwünsche für die Auszeichnung Ihres Hauses in der bundesdeutschen Theaterlandschaft entgegen. Sie kommen aus vollem Herzen und werden von einem Bewusstsein über den hohen Beitrag für die Lebensqualität in unserer Stadt und unserem Land getragen.
Wir würden uns freuen, wenn wir mit Ihnen gemeinsam vor die Medien treten, um unserer Anerkennung Ausdruck zu verleihen.
Dessau-Roßlau, 19.08.2010
Mit großem Respekt und freundlichen Grüßen
Wirtschafts- und Industrieclub e.V.
Rolf Rätzer, Präsident
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