Stadt Dessau-Roßlau
Oberbürgermeister
Herr Klemens Koschig
Zerbster Straße 4
06844 Dessau-Roßlau

Offener Brief zur Dringlichkeit eines/r Wirtschaftsdezernenten/-in für Dessau-Roßlau

Sehr geehrter Herr Koschig,
 
die Mitglieder des Wirtschafts- und Industrieclubs Anhalt e. V. möchten Sie mit diesem Schreiben nochmals auf die Dringlichkeit eines Wirtschaftsdezernenten/-in für Dessau-Rosslau hinweisen.
 
Verschiedene öffentlich publizierte Benchmarks über Standortvergleiche der letzten Jahre bestätigen unser Gefühl, dass Dessau-Rosslau im Standortwettbewerb zurückgefallen ist und das Wirtschaftswachstum und die Arbeitslosigkeit sich ungünstiger als in vergleichbaren Städten/Regionen entwickelt haben.
 
Daraus ergibt sich die Forderung die zweifelsohne vorhandenen guten Potenziale und Chancen zu Änderungen zu nutzen. In Dessau-Rosslau haben sich strukturelle Defizite verfestigt. Die Wirtschaft ist deutlich geringer an Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, zu wenig in Zukunfts- und Wachstumsbranchen präsent bzw. in den Clustern der landesweiten Schwerpunktindustrie (Chemie, Nahrungsmittel, Automotive, Maschinenbau) eingebunden als anderswo.
 
Die unbestreitbaren Stärken und das besondere Profil unserer Stadt müssen jetzt noch mehr in den Vordergrund gerückt werden. Eine Stärkung der Wirtschaftskraft erhöht auch gleichzeitig die Stärke und Bedeutung unseres Oberzentrums.
 
Wir erwarten, dass die Stärken, Kompetenzen und das Profil von Dessau-Rosslau aufgegriffen und in ein Wachstums- und Entwicklungskonzept einfließen. Dabei ist auch die Einbindung in entstehende Metropolregionen zu beachten.
 
Die Erarbeitung und Umsetzung kann nur durch einen Wirtschaftsdezernenten/-in am Besten gelingen, der auf gleicher "Augenhöhe" mit anderen Dezernenten gleichwertige Entscheidungs- und Durchsetzungsbefugnis und damit Stimme hat und sich hauptsächlich mit Wirtschaftsförderung befasst.
 
Als Kern aller Aktivitäten sehen wir die Bestandspflege und den Substanzerhalt der bestehenden Unternehmen sowie das aktive Ansiedlungsgeschäft. Auch die Umsetzung der derzeit in Erarbeitung befindlichen Einzelhandels-, Innenstadtentwicklungs- und Zentrenkonzepte braucht konsequente Gestaltungskraft. In der Tourismuswirtschaft sehen wir noch größere Potenziale, aber auch Umsetzungsprobleme.
 
Es kann nicht sein, dass angesichts der Probleme bei der Bewältigung des Strukturwandels und der hohen Abwanderungs- und Arbeitslosenquote seit mehr als einem Jahrzehnt auf einen Wirtschaftsdezernenten/-in verzichtet wird.
 
Auf Grund der angespannten Haushaltslage bietet sich die zukünftige Besetzung eines Wirtschafts- und Baudezernenten an. Gerade die Verbindung einer wirtschaftsförderlichen Standortpolitik mit baurechtlichen Angelegenheiten, die Unternehmen und Arbeitsplätze sichert und Dessau-Rosslau für weitere Ansiedlungen attraktiv machen kann, wäre ein wichtiger neuer Akzent.
 
Dessau, 07. Dezember 2007
 
Mit freundlichen Grüßen
 
gez.: Rolf Rätzer
Präsident
 

 
 
Öffentliche Freigabe ab 12.12.2007, 00:00 Uhr
 

Diesen Brief erhalten gleichlautend:
- Herr Dr. Exner / Vorsitzender des Stadtrates
- Frau Lohde / Fraktion CDU
- Herr Schönemann / Fraktion Die Linke Dessau-Roßlau
- Herr Eichelberg / Fraktion SPD
- Herr Dr. Neubert / Fraktion FDP
- Herr Schmidt / Fraktion Bürgerliste/Die Grünen
- Herr Bönecke / Fraktion Pro Dessau-Roßlau/Neues Forum